Geschichten

Eine wahre Pferde-Geschichte von Anne Lorenz

Nach einem sehr schönen sonnenreichen Sonntag Ende Juni 2001, der sich langsam dem Abend zuneigte, beschloss ich, vor meiner Heimfahrt vom Stall noch einmal an Gammurs Deckweide vorbei zu fahren, um kurz nach dem Rechten zu schauen.

Als ich an die Weide kam, bot sich mir ein ganz friedliches und idyllisches Bild. Die Stuten hatten es sich im Gras bequem gemacht und dösten so vor sich hin.
Gammur, der Hengst, lag etwas von den Stuten entfernt im Gras und ließ sich von seiner damaligen Bereiterin Fritzi, die neben ihm saß, in der Mähne graulen.

Das Stutfohlen, welches Flikka, eine Rappscheckstute bei Fuß hatte, als sie auf die Deckweide kam, schien in keinster Weise an diesem Idyll interessiert zu sein, sondern versuchte, mit allen möglichen Tricks die Stuten aufzuscheuchen und zum Spielen zu animieren, was leider nicht gelingen wollte, da die Stuten es immer wieder wegstupsten, bis es letztendlich aufgab und beleidigt von dannen zog.
Gammur, der sich von Fritzi hatte so herrlich verwöhnen lassen, stand nach geraumer Zeit auf, drehte sich um und begann zu fressen. Fritzi schaute ihm noch eine ganze Weile zu, stand dann auch auf und lief in Richtung Zaun, um die Weide zu verlassen. Kurz darauf drehte sich Gammur plötzlich um und sah Fritzi in Richtung Zaun laufen. Er stutzte, ging zwei, drei Schritte vor, warf den Kopf hoch und lief laut wiehernd und im schönsten Trab, so wie man ihn nur in freier Natur und ohne Reiter mal zu sehen bekommt, hinter Fritzi her. Als Gammur am Weidezaun ankam, stand Fritzi bereits außerhalb des Zaunes. Sie streichelte ihm noch mal kurz über den Mähnenkamm und verschwand dann aus Gammurs Blickwinkel. Gammur jedoch, blieb noch lange regungslos am Zaun stehen und starrte unentwegt in die Richtung, wo Fritzi hin verschwunden war. Dann drehte er sich um und trottelte langsam mit gesenktem Kopf, traurig zu seinen Stuten zurück, die zwischenzeitlich aufgestanden waren und grasten. Von Gammur, dem Hengst, wollte keine der Stuten mehr was wissen, da sie zu diesem Zeitpunkt bereits schon alle von ihm gedeckt worden waren und sich die Decksaison so langsam ihrem Ende näherte.

Er als Hengst hatte jetzt lediglich nur noch die Aufgabe seine Herde zu beschützen und sie im Falle von Gefahr, zu verteidigen.

Mich hatte diese Szene seinerzeit dermaßen gerührt, dass ich mich entschloss, über das Erlebte eine kurze Geschichte zu schreiben, nämlich die, über einen stolzen Hengst, der sich aus Liebe zu den Menschen, zu deren Untertanen machte.